
Klima in Portugal
Im Februar an der Algarve sitzen Menschen im T-Shirt vor dem Café. Am selben Tag steht in Porto der Regen quer in der Luft, und die Leute in den Straßen ziehen die Kapuze enger.
Beides ist Portugal, und zwischen den beiden Orten liegen keine 600 Kilometer.
Hinweis
Portugal hat kein Klima, sondern mehrere. Der Norden ist mild und ausgesprochen feucht, der Süden trocken und warm, das Landesinnere kennt beide Extreme. Porto bekommt im Jahr rund zweieinhalbmal so viel Niederschlag wie Faro.
Die Faustregel
Drei Linien reichen für die grobe Orientierung.
Von Nord nach Süd wird es trockener. Der Norden bekommt die atlantischen Tiefdruckgebiete ab, die über Galicien hereinziehen. Je weiter südlich, desto seltener kommen sie an.
Von der Küste ins Landesinnere wird es extremer. Der Atlantik dämpft, im Alentejo fehlt diese Bremse. Dort wird es im Sommer heißer und im Winter kälter als an der Küste auf gleicher Höhe.
Der Sommer ist überall trocken. Von Juni bis August fällt im ganzen Land kaum Regen — an der Algarve praktisch keiner. Das ist die verlässlichste Aussage über portugiesisches Wetter überhaupt.
Klimatabellen nach Regionen
Alle Werte sind Mittelwerte der Normalperiode 1991 bis 2020, erhoben vom portugiesischen Wetterdienst IPMA und den jeweiligen Stationen.
Algarve — Station Faro
Rund 455 mm Niederschlag im Jahr, davon fast die Hälfte zwischen November und Januar. Der Juli bringt im Mittel einen einzigen Millimeter.
Lissabon
Rund 794 mm fallen hier im Jahr. Die Sommertemperaturen liegen kaum unter denen der Algarve, der Winter ist aber deutlich nasser.
Porto und der Norden
Rund 1.147 mm im Jahr — zweieinhalbmal so viel wie an der Algarve. Der Sommer bleibt mit knapp 25 Grad angenehm statt heiß.
Alentejo — Station Évora
Hier zeigt sich, was fehlender Atlantik bedeutet: im August über 33 Grad am Tag, im Januar nachts unter fünf. Die Spanne zwischen Tag und Nacht ist größer als überall sonst im Land.
Madeira — Station Funchal
Madeira ist der ausgeglichenste Ort des Landes. Zwischen dem kältesten und dem wärmsten Monat liegen sieben Grad — auf dem Festland sind es fünfzehn bis zwanzig. Das Meer hat hier zwischen 18 Grad im Spätwinter und 24 Grad im Spätsommer.
Die beste Reisezeit hängt vom Vorhaben ab
Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Die Frage lautet nicht, wann Portugal am schönsten ist, sondern was dort geplant ist.
Wer flexibel bleibt, fährt besser
Die Tabelle oben nennt Wahrscheinlichkeiten, keine Zusagen. Wer in Portugal unterwegs ist, sollte umplanen können.
Im Winter ist es der Regen. Normalerweise fällt er tageweise, dazwischen steht die Sonne. Manchmal zieht sich eine nasse Phase aber über Wochen — und dann kippt ein Roadtrip. Vorhersagen lässt sich das nicht.
Im Sommer ist es die Hitze. Eine Hitzewelle dauert üblicherweise drei bis fünf Tage. Es gibt aber Sommer, in denen es zwei Wochen am Stück über 40 Grad hat und das Thermometer örtlich auch nachts kaum unter 30 fällt. Wer dann ohne Klimaanlage unterwegs ist, plant besser um als durch.
Für beides gilt dieselbe Antwort: Route offen halten. Nach Norden ausweichen, wenn der Süden glüht. Ans Meer, wenn das Landesinnere steht.
Drei Dinge, die regelmäßig unterschätzt werden
Der Atlantik ist kalt. Auch im August. Das Wasser an der Westküste kommt aus nördlichen Strömungen und bleibt deutlich kühler, als die Lufttemperatur vermuten lässt. An der Südküste der Algarve ist es milder, an der Westküste bei Peniche oder Nazaré geht ohne Neoprenanzug wenig.
Portugiesische Häuser sind auf Sommer gebaut. Zentralheizungen sind selten und die Wände oft ungedämmt, weshalb es im Januar drinnen kühler sein kann als draußen in der Sonne — ein Umstand, der Überwinterer jedes Jahr aufs Neue überrascht. Wenn du im Winter mietest, frag nach der Heizung, bevor du buchst.
Der Norden ist nicht der Süden. Wer im April eine Rundreise plant und für Porto dieselben Sachen einpackt wie für Faro, packt falsch. Im Norden regnet es dann im Mittel an jedem dritten Tag.
Monat für Monat, kurz gefasst
Januar und Februar — mild an der Küste, nass im Norden, nachts kühl im Landesinneren. Mandelblüte an der Algarve ab Ende Januar.
März und April — die grünste Zeit. Alles blüht, die Temperaturen sind angenehm, der Regen lässt nach. Beste Wanderzeit.
Mai — nach vielen Maßstäben der beste Monat. Warm, trocken, noch nicht voll.
Juni bis August — Hochsommer. An der Algarve und im Alentejo heiß, in Porto angenehm. Kaum Regen im ganzen Land.
September — der unterschätzte Monat. Wasser am wärmsten, Luft angenehm, weniger Betrieb als im August.
Oktober — noch mild, aber der Regen kehrt zurück. In Porto fällt bereits wieder mehr als im April.
November und Dezember — die nassesten Monate fast überall. An der Algarve bleibt es tagsüber mild.
Das Klima verändert sich, spürbar
Über den Klimawandel in Portugal ließe sich ein eigenes Buch schreiben. Was sich im Alltag zeigt, lässt sich in einem Satz sagen: Das Wetter wird extremer, nicht einfach nur wärmer.
Starkregen, der Straßen überflutet, statt gleichmäßiger Winterniederschläge. Hitzewellen, die nicht nach drei Tagen enden. Stürme, die kräftiger ausfallen als früher. Der Eindruck, dass alles ein bisschen heftiger wird, täuscht nicht.
Portugal ist darauf besser vorbereitet als manches Nachbarland, und das hat einen einfachen Grund: Hier war der Winter immer nass und der Sommer immer heiß. Häuser, Tagesabläufe und Landwirtschaft sind darauf eingerichtet. Was jetzt kommt, ist eine Steigerung des Bekannten, kein Bruch damit.
Die Waldbrände
Der Punkt, an dem es ernst wird. Die Brände werden größer und schwerer beherrschbar, und in den Sommermonaten steht ein Teil des Landes regelmäßig unter Rauch.
Bemerkenswert ist, was daraus nicht folgt. In den Dörfern hilft man sich gegenseitig, geschützt wird zuerst das Haus des Nachbarn, und die Feuerwehren arbeiten sich an den Ortsrändern ab, bevor sie Wald retten. Evakuiert wird oft erst spät. Trotzdem kommen dabei selten Menschen ums Leben, und es brennen weit weniger Wohnhäuser ab, als die Bilder vermuten lassen.
Das war nicht immer so. 2017 starben bei den Bränden um Pedrógão Grande 66 Menschen, die meisten auf der Flucht in ihren Autos. Diese Katastrophe hat das heutige System hervorgebracht — Warnketten, Zufahrtswege, Vorschriften zum Freihalten der Flächen rund um die Häuser. Was heute funktioniert, ist die Antwort auf jenen Sommer.
Ausführlich steht das Thema auf portugalismo.de, wo es um Ursachen und Folgen geht.
Der zweite Wandel
Der Klimawandel wirkt hier nicht allein. Er trifft auf eine Entwicklung, die viel älter ist, und beide verstärken sich gegenseitig.
Das Binnenland leert sich seit Jahrzehnten. Wer jung ist, geht an die Küste oder ins Ausland. Zurück bleiben Dörfer mit einem Dutzend Bewohnern, das Feld daneben liegt brach, die Terrassen am Hang wachsen zu.
Genau das ist der Punkt. Eine bewirtschaftete Fläche brennt schlecht: Vieh frisst das Unterholz weg, jemand mäht, jemand schneidet zurück. Eine aufgegebene Fläche verbuscht innerhalb weniger Jahre und liegt dann als Brennmaterial zwischen den Häusern. Wo früher Menschen die Landschaft offen hielten, macht das heute niemand mehr.
Dazu kommt der Eukalyptus. Er wächst schnell, bringt der Papierindustrie Geld und steht deshalb heute auf gut einem Viertel der portugiesischen Waldfläche — mehr als in jedem anderen Land Europas. Er brennt allerdings ausgezeichnet: In den Jahren 2015 bis 2018 entfielen rund 46 Prozent der verbrannten Fläche auf Eukalyptusbestände, obwohl sie nur 26 Prozent des Waldes ausmachen.
Damit schließt sich ein Kreis, der schwer zu durchbrechen ist. Die Abwanderung schafft das Brennmaterial, die Brände machen die Gegend unattraktiver, und wer bleibt, wird älter. Ein heißerer Sommer trifft also nicht auf eine gepflegte Landschaft, sondern auf eine, die seit Jahrzehnten niemand mehr in der Hand hat.
Über das Wetter reden
In Portugal wird über das Wetter gesprochen wie überall, nur mit anderen Wörtern. Die wichtigsten:
Como está o tempo? Wie ist das Wetter?
Está calor. / Está frio. Es ist warm. / Es ist kalt. — Wörtlich „es steht Wärme", das Verb ist estar.
Está a chover. Es regnet. — Die typisch portugiesische Verlaufsform mit a plus Grundform. In Brasilien hieße es está chovendo.
Vai chover amanhã? Regnet es morgen?
Mehr davon steht unter Portugiesisch lernen und in der Vokabelübersicht.
Hinweis
Zu den Klimadaten: Alle Werte sind Mittel der Normalperiode 1991 bis 2020. Quellen sind der portugiesische Wetterdienst IPMA sowie die Observatorien in Lissabon und Funchal. Mittelwerte beschreiben das Klima, nicht das Wetter am Reisetag — ein trockener Juli kann auch mal einen Gewittertag haben.
Zu den Hörbeispielen: Die Aussprache stammt aus einer Sprachsynthese in der Variante pt-PT, es spricht keine reale Person.